Intes Micro MN-76 (180/1080 Mak-Newton)

Beobachter: Frank Bruder

Datum: 13(?).03.2001


Heute war es endlich soweit. Nachdem das Satellitenbild ein Wolkenloch von Holland kommend anzeigte, habe ich mich kurzfristig entschlossen das neue Teleskop aufzustellen. Um es vorweg zu nehmen, die Bedingungen waren mehr als schlecht. hochnebelartige Wolkenfetzen zogen zeitweise vorbei, die Grenzhelligkeit lag etwas über 4 mag ich war überhaupt nicht dunkeladaptiert und zu allem Überfluß brannte ständig der Einbrecher-Abschreck-Strahler in 5 m Entfernung (hab ihn notdürftig abgeschattet).

Nun gut, mit dem neuen Intes Micro Mak-Newton MN 76 hab ich mich im Vorfeld schon mal vertraut gemacht. Den Fangspiegel mußte ich auf jeden Fall erst mal justieren (mit dem Laser überhaupt kein Problem, auf dem Hauptspiegel ist ein kleiner Kreis eingeätzt, 5 min Sache also). Um den Hauptspiegel kümmere ich mich demnächst, der ist laut Laserkollimator nur ganz geringfügig aus dem Lot.
Um das gute Stück auf meiner GP-Montierung nutzen zu können mußten erst mal Gegengewichte her. Karstadt-Sporthaus hat bei uns in Recklinghausen sogar Astrozubehör von Alex, ein Paar Hantelscheiben a 5 kg für nen 40er war immer noch besser als 3 x 3,8 kg von Vixen für knapp 500 DM. Und siehe da, die ganze Sache hat soon bißchen was von Stabilität. Bei meinem ersten Versuch mit dem vorhandenen 2,8 kg Gewicht hab ich eigentlich nicht daran geglaubt halbwegs vernünftig beobachten zu können.
Jedenfalls ist die ganze Sache wesentlich stabiler als mein altes Pluto/S auf der EQ1. Trotz 12,6 kg Tubus zzgl. Okular (davon gleich mehr) und den insgesamt 12,8 kg Gegengewicht (Glück gehabt, für ne G11 muß ich noch ein Weilchen sparen). Aber man sieht, die GP ist einfach klasse obwohl sie eigentlich nur 8 kg verträgt.

Zum Tubus:
Ich hab das Teil nicht vom Generalimporteur sondern von meinem mittlerweile Haus- und Hoflieferanten etwa 60 km nord-östlich. Ich habe mich aus verschiedenen Gründen dafür entschieden nicht über den Versand zu kaufen. Vielleicht ist's nur ein Spleen von mir, ins Geschäft zu maschieren und mit den Leuten zu sprechen die mit mir ein Geschäft in der Größenordnung eines kleinen Gebrauchtwagens machen wollen. Und der Preis war trotz Zwischenhändler wirklich OK (hallo Euro, vor Weihnachten hätte ich spürbar mehr bezahlt). Ich hab das Teil also vor zwei Wochen aus der schönen Stadt 60 km NO von mir abgeholt.

Eine riesige grüne Holzkiste Marke Handmade mit Alu-Kanten. Darin der ca. 1,2 m lange Tubus, der Sucher und die Montageplatte für die G11 (die Platte für die GP war bereits montiert). Beim ersten Blick habe ich verstanden was ein Teleskoptester auf einer Ami-HP mit "humorlos" meinte. Nüchternes Design in grauem Lack. Aber die Verarbeitung ! Alles mit Liebe zum Detail und voll funktionell.
Okularauszug und zugehörige Hülsen schön aus Alu gedreht. Vieles von Hand gearbeitet. Man sieht auf der Montageplatte noch den Körnpunkt und den Kreis des Reißzirkels für die Bohrungen (mein Kumpel Jochen der Astronomie nicht so spannend findet aber ein Liebhaber perfekter Feinmechanik ist mußte mir natürlich den Spruch von den bei uns gebräuchlichen CNC-Maschinen schicken). In den Hülsen zu Reduzierung bis runter auf 1,25" nicht einfach die Ami- und Japantypischen Teflonstreifen. Nein sauber gefräste Nuten in denen Kupferringe eingelegt sind.
Die Schrauben die bewegliche Teile halten haben an ihren Spitzen Kunststoffauflagen um keine Beschädigung an den zu haltenden Teilen zu hinterlassen. Alles in allem hat mich der mechanische Aufbau begeistert. Einziger Kritikpunkt, die Meniskuslinse ist von innen ganz leicht angestaubt (wirklich wenig). Das sollte bei einem geschlossenem System eigentlich nicht passieren. Zumal die mit Ventilator zum Temperaturausgleich ausgerüstete Spiegelzelle mit einem aufschraubbaren Deckel versehen ist.

Jetzt das First Light !
Das Teleskop lagerte schon seit vier Tagen in der Garage. Die Temperatur war ziemlich gleichbleibend. Ich hab das gute Stück etwa eine Stunde vor Gebrauch ins Freie gestellt. Eigentlich zu wenig, zumal ich noch kein Kabel für den Ventilator habe. Nun gut. Zum Okular. Mein Händler hat mir Prügel angedroht wenn ich nicht sein Angebot annehme das 31mm Nagler Type 5 zum Testen mitzunehmen. Hab ich dann nach heftiger Gegenwehr auch gemacht. Also rein das Teil, Instrument mitten in den Fuhrmann und mal schauen. Boahh. Sterne über Sterne. Nach ein wenig rumrühren bin ich dann schnell auf M36 und M38 gestoßen. Ohne Karten und Rantasten und so. Das Blickfeld des Nagler ist der Wahnsinn. Ich hab dann mal verglichen mit meinem 25 mm Celestron. Der Himmelsausschnitt ist ein Lichpünktchen gegen das der sog. Handgranate (ich tippe mal auf knapp 1 kg Gewicht und 8 cm Durchmesser). Da kann man das gesuchte Objekt nicht verfehlen.
Wie eingangs gesagt, ich war völlig unvorbereitet und mußte im Nachhinein mit Cartes du Ciel das Gesehene prüfen. Ich tippe mal trotz widrigster Bedingungen an die 14 mag ! Und mit dem Nagler gestochen scharf bis an den Rand. Ich hatte Schwierigkeiten, meine Augen so weit nach links, rechts, oben und unten zu bewegen um das ganze Blickfeld anzuschauen. Zwischendurch konnte ich mir einen Blick zu Jupiter nicht verkneifen. Bei nur ca. 30 Fächer Vergrößerung waren die beiden großen Wolkenbänder sofort schön mit leichten Strukturen zu erkennen. Da mußte ich mein Vixen 114mm schon locker über 100 fach treiben. Und der Pluto/S hat nie solch einen Anblick geboten. Die Jupitermonde gestochen scharf trotz des schon niedrigen Standes (23,30 Uhr). Wie im Übrigen auch die Abbildungen der Sterne. Wirklich saubere helle Stecknadelpünktchen auf zugegeben dunkelgrauem Hintergrund (hab heute Abend die Leute beneidet die "nur" mit Skybeamern zu kämpfen haben).
Um 23,45 zogen natürlich wieder Wolken auf, also bliebs bei insgesamt 45 min. Fazit, der Anblick der Fuhrmann-Region mit dem Equipment hatte was von den unvergeßlichen Eindrücken die ich letztes Jahr von den Beobachtungen in Sco und Sgr aus Kenia mitgebracht habe.

Also Boahhh. Gruß, Frank