b) Von wo aus beobachtet man?
Das ist eine häufig völlig vernachlässigte Frage. Zu Unrecht! Denn genauso wie der Durchmesser der Öffnung eines Teleskop entscheiden die
Beobachtungsbedingungen bei vielen Objekten über Sehen oder Nichtsehen.
Der Traum eines/r jede/n Beoachters/terin ist natürlich der tiefschwarze Himmel ohne jedes störende Licht. Ja, da träume ich auch häufig von!
Aber viele von uns wohnen eben in lichterhellten und zudem auch noch staubträchtigen Stadtgegenden, so daß man selbst an klaren Abenden nur die
helleren Sterne mit freiem Auge sehen kann. Hat man dazu noch keinerlei Gelegenheit, mit seinem Gerät mal einen dunklen Beobachtungsort aufzusuchen, sollte
diese Tatsache bei der Auswahl des Gerätes nicht ganz unberücksichtigt bleiben.
DENN Ein lichstarkes Gerät kann seine Stärken unter "lichtverseuchtem" Himmel überhaupt nicht ausspielen, da die Himmelhelligkeit durch besagte
Lichtstärke mitverstärkt wird. Man bekommt ein helles "matschiges" und kontrastarmes Bild. Zudfem verschwinden lichtschwache Objekte dann z.T völlig in
besagter Himmelhintergrundhelligkeit.
Su dumm das auch ist, bis zu einem gewissen Maße schreiben einem die Beobachtungsbedingungen vor, was man zu beobachten hat: Die schwache Galaxie
ist im Zentrum von Düsseldorf eben nicht oder nur extrem schlecht zu machen. Fährt man 50 KM raus, kann das schon wieder ganzu anders aussehen.
Ne kleine Anekdote:
Hier haben einige Damen und Herren in den letzten Jahren doch erhebliche Kapriolen geschlagen: Man baute mitten in der Stadt Trebur (bei Regensburg) ein Teleskop mit
über einem Meter (!) Spiegeldurchmesser und einem extrem lichtstarken Öffnungsverhältnis von f/4, obwohl die schlechten örtlichen Beobachtungsgegebenheiten
als bekannt vorauszusetzen waren. Nichts gegen eine Sternwarte und überhaupt nichts gegen die Ambition der MacherInnen, den Blickpunkt in der Allgemeinheit
auch mehr auf das Thema "Astronomie" zu lenken. Aber, sinnvoller wäre es wohl gewesen, den dafür zuer Verfügung stehenden Etat (war wohl so um die viertelmillion)
in zwei - kleinere - Sternwarten aufzuteilen, eine kleinere in der Stadt und eine andere ausserhalb der Stadt. Aber, da spielte denn wohl auch etwas
Prestigedenken und vielleicht sogar dieses oder jense finanzielle Argument zugunsten der Initiatoren eine Rolle.... Aber genug dazu.
Hat man nun besagte Gelegenheit, "ins Dunkle zu kommen", ist man bei der Wahl des Fernrohres flexibler. Man kann sich für ein lichtstarkes UND ein lichtschwächeres
Gerät entscheiden. Ist man jedoch an einen lichtverschmutzten Ort gefesselt, macht es i.d.R. mehr Sinn, sich für ein lichtschwächeres Gerät zu entscheiden.
Aber nicht nur die Lichtverschmutzung am Beobchtungsort ist mitentscheidend. Es gibt da leider auch noch einen anderen Faktor, der uns SternguckerInnen
das Beobachtungsleben schwer macht: Das sogenannte Seeing. Dieser Begriff umschreibt die Luftbewegung. Je mehr Luftbewegung vorhanden ist,
desto unschärfer wird das Bild im Okular. Und in Mitteleuropa gibt es jede Menge davon. Dummerweise steigt die Luftbewegung in Städten und größeren Ortschaften
im Vergleich zu abgelegenen Plätzen häufig weiter an, da neben den üblichen atmosphärischen Turbulenzen auch noch die vom Menschen verursachte Luftbewegung (Abwärme aus
Heizungen und Kraftwerken, Abluft vom Autoverkehr etc. ) hinzukommt. So sind städtische Beobachtungsorte hier noch weiter benachteiligt.
Aber, man kann diesesn Effekt etwas abmildern, indem man etwas auf Öffnung verzichtet. Denn je größer die Öffnung, desto anfälliger wird die Bildqualität
für Unschärfen durch das Seeing. Über den Daumen gepeilt sollte man für solche Beobachtungorte (in Städten und großen Ortschaften) max. 150mm Öffnung
(6 Zoll) wählen (hat ein physikalischen Grund: Seeing verursachende Luftbewegungen entstehen durch blasenförmige Turbulenzen, deren Durchmesser um die
15 cm Durchmesser liegen) und verbleibende finanzielle Mittel eher in gutes Zubehör stecken. Mehr macht nur seltenst Sinn. Reduziert man die Öffnung
auf 4", reduzieren sich die seeingverursachten Bildunschärfen weiter z.T erheblich.
Hierzu kann ich aus eigenen Erfahrungen berichten:
Zu meinen Bochumer Zeiten hatte oich zeitweise auch die Wahl zwischen meinen Lichtenknecker 125mm Refraktor
und einem schönen "Vixen" 200/1000mm (f/5) Newton. Und obwohl der Newton von guter Qualität war. habe ich ihn nach vier Wochen wieder abgegeben, denn, das was
ich mit diesem lichtstarken Gerät zu sehen bekam, lag im Vergleich weit hinter dem "kleineren" Refraktor zurück. Der Newton konnte seine Qualität unter einem
Zentral-Ruhrgebietshimel nicht ausspielen.
Den Glücklichen unter uns, die auf einen dunklen abegelegenen Ort zurückgreifen können, sehen sich durch solche ("städtischen") Beschränkungen
nicht beeinträchtigt.
Fazit:
Der dunkle und abgelegene Beobachtungsort beschert einem die "freie" Wahl des Teleskopes, man kann sich unbeschränkt seinen Vorleiben widmen und das
dementsprechende Equipment zulegen.
Am hellen und seeingtrüberen Platz empfiehlt sich das lichtschwächere (ab f/10) Gerät mit max. 150 mm Öffnung. Dem Anfänger sei hier insbesondere der
"klassische" 102/1000mm Refraktor nahegelegt, denn bei dem kommt noch das einfacherer "Handling" im Vergleich zum Reflektor hinzu.
c) Was möchte man schwerpunktmässig beobachten?
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