Bresser Phoenix (150/1200mm Refraktor chin. Bauart)

Beobachter: Norbert Span, Thomas Engl; Westösterreich

Datum: 14.01.2001 Zeit: 20:00 - 23:00 MEZ
Instrumente:
150mm Refraktor (Phoenix) auf Takahashi EM-10 mit mot. Nachführung

Beobachtete Objekte:
M81/82
M97/108
h/chi Per
M42 (Orionnebel)
M45 (Plejaden)
M35 mit NGC 2158
NGC 2392 (Eskimonebel)
DS 32Ori (Abstand 1,1") Ohne gescheite Luft nix trennen
DS 14Ori (Abstand 1,0") siehe obigen Eintrag
IC 2149 nur im C8 probiert, leider nicht gefunden
NGC 2371/72 ebenfalls nur im C8, aber auch nicht gesehen
Rosettennebel
Nebelkomplexe um Alnitak:NGC 2024, NGC 2023
IC 434
Sh2-277
B33 (Pferdekopfnebel)

Verwendete Okulare:
40mm SWA von Meade 2" V = 30x GF = 2,23
40mm Pentax 2" V = 30x GF = 2,16
35mm Leitz V = 34x GF = ?
35mm eud. Plössl V = 34x GF = ?
14 mm Pentax V = 89x GF = ?
Verwendete Filter: OIII

Beobachtungsort:
Trins in Tirol (Westösterreich) auf ca. 1200m bei unserem Sternwartehäuschen

Wetter und Himmel:
Seeing miserabel: ca. 2-3", aber sehr transparenter Himmel

Temperatur:
Um die -10C

Ziel der Beobachtung: Einen ersten Eindruck vom Leistungsvermögen des 6"-Refraktors zu bekommen.
Deshalb wurden fast ausschließlich bekannte Objekte beobachtet, um einen Vergleich mit früheren Beobachtungen dieser Objekte zu erhalten.

Vorweg die positiven Seiten der Refraktoroptik: Während nach ca. 2-stündiger Beobachtung sich an der Schmidt-Platte des C8 Eiskristalle festsetzten (mit Verwendung einer Taukappe), war am Objektiv des Refraktors absolut nichts festzustellen. Der nächste Pluspunkt ist das enorme Gesichtsfeld, das mit dieser Optik möglich ist. Mit einem 40mm Pentax Okular sind z.B.: 2,16 möglich und das bei einer Austrittspupille von 5mm. Da dieses Gerät von uns schon einmal getestet wurde, wußten wir um die Abbildungsqualität in Bezug auf Schärfe und Kontrast bescheid, was aber in dieser Nacht noch einmal um Zehnerpotenzen übertroffen wurde. Davon weiter unten mehr.

Natürlich gibt es auch negative Seiten, die nicht verschwiegen werden sollen. Auf der einen Seite steht ein 2"-Okularauszug, der sich durch sehr viel Spiel auszeichnet, das aber durch einen mechanischen Eingriff sicher behoben werden kann. Andererseits steht der Farbfehler bei hellen Objekten, die aber nach Meinung des Verfassers dieses Protokolls schon aufgrund der technischen Daten dieses Instrumentes jedem klar sein sollte. (100%ig sicher ist jedenfalls, daß ein ebenfalls von uns verwendeter 102/1000mm Refraktor von VIXEN mehr Farbfehler im blauen zeigt!) Allerdings sollte man bei einem Preis von ATS 11.000.- nicht erwarten, das man damit die eierlegende Wollmilchsau erhält. Oder vielleicht doch?

Ohne wenn und aber bei den endlosen Diskussionen über Bresser im Internet von wegen gut oder schlecht, teuer ist besser oder ähnliches, können wir nach dieser Beobachtungsnacht das i-Tüpfelchen für alle "visuellen Billigbeobachter" frei nach Bresser präsentieren:

"Visuelles Erkennen des Pferdekopfnebels mit 6"-Öffnung"

Wie kommt man dazu. Nachdem wir oben angeführte Objekte beobachtet hatten, meinte einer von uns eher scherzhalber, daß wir den Pferdekopfnebel probieren sollten. Gesagt, getan. Schnell war die betreffende Stelle im Telrad eingestellt. Das 35mm-Leitz Okular wurde mit dem Hbeta-Filter bewaffnet, fokussiert und dann.....
Man muß sich das ungefähr so vorstellen, wenn der Unterkiefer auf den Boden fällt und vor lauter Verzückungen nicht mehr zurück kann. Was sah man jetzt wirklich im Okular?

Alnitak lag im oberen Drittel des Okulares, war aber durch den Hbeta Filter sehr geschwächt. Darüber zog sich NGC2024 (Flammennebel) bis zum Rand des Okulares dahin. Knapp unter dem Hauptstern zog sich der Nebelkomplex IC434 mit S277 bis fast zum unteren Gesichtsfeldrand. Und dann sah man ihn. Eine dunkle Einbuchtung im zarten Nebelkomplex. Nicht schemenhaft, oder mit indirektem Schauen. Nein, nur mit normalen direktem hinschauen hob er sich deutlich von der Umgebung ab. Sogar der Verlauf des Pferdekopfes konnte richtig angegeben werden. Aber auch im gesamten Nebelkomplex konnten Verdichtungen und Helligkeitsvariationen direkt erkannt werden.
Nachdem wir uns sattgesehen hatten, probierten wir den Nebel auch ohne Filter. Erwartungsgemäß erschienen der Flammennebel und NGC 2023 wesentlich kontrastreicher. Anders dagegen der Pferdekopfnebel. Man sah zwar immer noch den Dunkelnebel, aber nur mehr mit indirektem schauen. Der Verlauf könnte allerdings ohne Kenntnis davon nicht mehr 100%ig angegeben werden. Die Beobachtung wurde von allen anwesenden bestätigt. Nach dem 35mm Leitz Okular probierten wir das 40mm-Pentax Okular. Überraschenderweise war mit diesem Okular in Verbindung mit dem Hbeta Filter der Nebelkomplex wesentlich schwieriger zu sehen. Jedenfalls war das Kontrastverhalten dieses Okulares ausgeprägt schwächer als das des Leitz-Okulares. Wir können nur vermuten, daß das Leitz Okular aus einem Militärbestand kommt, und hier eine andere Vergütung zum tragen kommen könnte. Überhaupt erscheint das Bild mit diesem Okular wesentlich heller und brillanter, obwohl 5mm weniger Brennweite zur Verfügung stehen. Vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit, diese Okulare auf ihr Transmissionsverhalten zu überprüfen. Leider konnte das 40mm SWA von Meade verwendet werden, da der Hbeta-Filter nicht in das Meade-Gewinde paßt.

Abschließende Betrachtung:
Für uns war es eine ausgeprägt erfolgreiche Beobachtungsnacht. Der Refraktor hat bezüglich Kontrastverhalten und Abbildungseigenschaften unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Der Nachteil davon wäre, daß sich in Zukunft alle anderen Geräte an dieser Beobachtung messen werden müssen. Sicher sind wir von unseren Beobachtungsstandorten im Gebirge gegenüber anderen wahrscheinlich im Vorteil. Aber in der visuellen Deep-Sky Beobachtung gilt es eben alles auszunutzen. Und allen im Internet verbreiteten Unkenrufen zum Trotz hat sich die Investition in dieses Gerät schon nach der ersten Beobachtungsnacht mehr als ausgezahlt, denn alleine dieses Beobachtungserlebniss war eigentlich u n b e z a h l b a r !

Thomas Engl